Ein Maronen-Röhrling im Moos.17.09.2021  -  Vor allem in Süddeutschland sind einige Pilzarten auch 35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch radioaktiv belastet und weisen erhöhte Cäsiumwerte auf. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät Pilzesammlern, sich vorab zu informieren.
Aus dem aktuellen Pilzbericht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) geht hervor, dass vor allem in Süddeutschland einige Pilzarten radioaktiv belastet sind. "Das radioaktive Cäsium in den Pilzen stammt noch immer aus dem Reaktorunfall in Tschernobyl vor 35 Jahren", erklärt Inge Paulini, die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Bayerischer Wald und Donaumoos betroffen
Wie stark ein Pilz belastet ist, hänge sowohl von der Pilzart als auch vom Standort eines Pilzes ab. Höher belastete Pilze kämen vor allem in Regionen vor, in denen sich nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl überdurchschnittlich viel Cäsium abgelagert habe. Dazu gehören Teile Bayerns.
Aus dem Bayerischen Wald und aus dem Berchtesgadener Land können folgende Pilzarten laut dem Bericht noch bis zu einigen tausend Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse aufweisen: Semmelstoppelpilze, Rotbraune Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge, Elfenbeinschnecklinge und Gelbstielige Trompetenpfifferlinge. Auch im Donaumoos südwestlich von Ingolstadt und in der Region Mittenwald seien mit die höchsten Radiocäsiumgehalte in Pilzen zu erwarten.
Neben Teilen Bayerns waren vom radioaktiven Niederschlag aus Tschernobyl zum Beispiel auch das Osnabrücker Land sowie Teile entlang der Leine zwischen Hannover und Göttingen, entlang der Elbe zwischen Schwerin und Magdeburg und bei Lübeck besonders betroffen.

Pilzarten mit niedriger Belastung
Niedrig belastet und aus Sicht des Strahlenschutzes unbedenklich zu verzehren sind der Blutende Waldchampignon, der Mönchskopf, der Riesenporling, der Safran-Riesenschirmling und der Schopftintling. Diese Pilze wiesen in den Untersuchungen regelmäßig unter fünf Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse auf. Zuchtpilze wie Champignons weisen ebenfalls nur geringe Mengen von Cäsium-137 auf.

Nicht mehr als 250 Gramm Waldpilze pro Woche empfohlen
"Gelegentlich auch höher belastete Pilze zu verzehren, ist zwar nicht verboten. Dennoch sollte man sich über die üblicherweise stärker belasteten Pilzarten informieren und sie im Wald stehen lassen, um eine unnötige Strahlenbelastung zu vermeiden." Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamtes für StrahlenschutzDas Umweltbundesministerium empfiehlt, nicht mehr als 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen.

Radioaktive Belastung sinkt
Die Belastung sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Vereinzelt würden aber weiterhin Werte von 4.000 Becquerel gemessen. Zum Vergleich: Der Grenzwert für Pilze im Handel liegt bei 600 Becquerel.
Anders als in landwirtschaftlichen Böden ist das Cäsium in Waldböden in einer Form vorhanden, in der Pflanzen und Pilze es aufnehmen können, erklärt Inge Paulini vom Bundesamt für Strahlenschutz.