Ein Feld mit großen Solarpanels. Im Hintergrund strahlt die Sonne durch den bewölkten Himmel.17.09.2021  -  Die Energiewende ist nötig, da sind sich in Zeiten des Klimawandels eigentlich alle einig. Über den Standort von Windrädern und Solar-Anlagen wird dennoch oft gestritten. Bei Hof geht es nun um die größte Photovoltaik-Anlage im Frankenwald.
Große Weizenballen liegen auf einem Feld mitten im Frankenwald. Die Sonne scheint auf den breiten Hang bei Issigau. Statt Getreide soll hier künftig grüner Strom aus der Sonne geerntet werden. Zwischen den kleinen Orten Griesbach und Marxgrün im Landkreis Hof ist auf 70 Hektar der größte Solarpark im Frankenwald geplant.

Doppelnutzung durch "Agri-Photovoltaik"
Die Idee stammt von Landwirt Constantin von Reitzenstein, seiner Familie gehören rund zwei Drittel der Fläche. Das restliche Drittel verteilt sich auf zehn weitere Grundstücksbesitzer. Geplant ist eine sogenannte "Agri-Photovoltaik-Anlage" – das heißt, die Solarmodule werden in etwa dreieinhalb Meter Höhe montiert. Auf der Wiese darunter kann weiter Landwirtschaft betrieben werden. Mit dieser Doppelnutzung will der Landwirt seinen Betrieb zukunftsfähiger aufstellen, unabhängiger sein von Trockenheit oder Borkenkäfer. Er wolle künftig Eier, Wolle, Schaffleisch und Honig produzieren, sagt von Reitzenstein.

Geld für alle in der Frankenwald-Gemeinde Issigau
Aber auch die Bürgerschaft profitiere, betont Bürgermeister Dieter Gemeinhardt. Denn der Sitz der Solarpark-GmbH ist in Issigau und damit rechnet er für seine 1.000-Einwohner-Gemeinde in den nächsten 25 Jahren mit rund 10 Millionen Euro Gewerbesteuer. Und jedem Issigauer, der sich direkt an der Anlage beteiligt, versprechen die Planer vier Prozent Zinsen. Und der Bürgermeister sieht noch weitere Vorteile: "Jeder Bürger bekommt 50 Euro Stromkosten-Zuschuss. Das sind bei einer vierköpfigen Familie 200 Euro im Jahr", sagt Gemeinhardt.
Außerdem habe die Gemeinde mit der Solarpark-GmbH noch einen regionalen Stromtarif ausgehandelt. Der gelte dann nicht nur für den größten Arbeitgeber im Ort, ein Holzwerk, sondern für alle Bürger, betont der Bürgermeister. Dieses umfassende Konzept überzeugt inzwischen auch den Bund Naturschutz.

Kritik an Lage und Größe des Solarparks
Doch es gibt auch Gegner. Die Bürgerinitiative "Photovoltaik mit Augenmaß für Issigau" betont zwar, sie begrüße grundsätzlich die Nutzung von Solarenergie. Aber sie kritisiert die Größe und Lage des Projekts. Der Frankenwald-Blick sei ein touristisch bedeutsamer Ort für die ganze Region, sagt Michael Hager von der Bürgerinitiative. Die genutzte Fläche für den Solarpark wäre etwa doppelt so groß wie die bebaute Fläche von Issigau.

Auch Nachbarorte lehnen Solarpark ab
Ähnlich kritisch sehen es die Nachbarorte. Ob Naila, Lichtenberg oder Berg: Alle Gemeinderats-Gremien reihum haben die Bebauungsplan-Änderung für das Projekt mit großen Mehrheiten bereits abgelehnt. Sie schlagen statt dessen zum Beispiel mehr Solaranlagen entlang der Autobahnen oder Bahnstrecken vor.

Kleinere Anlage sei nicht wirtschaftlich
Doch die Planer betonen: Lage und Größe sind entscheidend für den Erfolg des Issigauer Solarparks – eine wesentlich kleinere Anlage sei nicht wirtschaftlich, betont Planer Mario Münch. Die Firma Münch Energie aus dem Landkreis Kulmbach ist einer der größten dezentralen Energieversorger Deutschlands. Und ist bei dem 40-Millionen Euro-Projekt im Frankenwald Mit-Investor.

"Knackpunkt ist: Die Netze sind voll. Deshalb brauchen wir ein Umspannwerk." Mario Münch, Planer und Mit-Investor Solarpark
Der Anschluss der Anlage ans Stromnetz koste ungefähr acht Millionen Euro – wäre die Anlage kleiner, wäre es trotzdem etwa der gleiche Preis, so der Planer. Dadurch sinke dann der Gewinn – nicht nur für die Investoren, sondern auch für Gemeinde und Bürger, betont Bürgermeister Gemeinhardt. Bewusst wolle man den Solarpark mit dem erfahrenen Kulmbacher Energieversorger umsetzen. Für das Auswahlverfahren hätten sich auch Investoren-Gruppen aus ganz Deutschland beworben, doch habe man bei den Verhandlungen die Vorteile für die Bürger nicht umsetzen können, so der Bürgermeister.

Gegner wollen Bürgerentscheid zum Solarpark
Nach mehreren Bürgergesprächen wurde die Anlage an einigen Stellen umgeplant, außerdem ist eine komplette Eingrünung mit Hecken vorgesehen. Die Gegner überzeugt das nicht. Sie fühlen sich auch nicht ausreichend informiert, wissen zum Beispiel noch nichts vom geplanten Tarif für den Ökostrom für alle Issigauer. Momentan sammelt die Bürgerinitiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren - dafür müssten 90 Issigauer unterschreiben. Man sei zuversichtlich, dass diese Zahl erreicht werde, heißt es.
Genauso zuversichtlich ist aber auch Bürgermeister Gemeinhardt, dass der Solarpark gebaut werden kann. Er und die beiden Hauptinvestoren Münch und von Reitzenstein bestreiten die Veränderung des Landschaftsbilds nicht - aber die Energiewende sei am sinnvollsten, wenn sie vor Ort umgesetzt werde. Münch verweist auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das einen Wechsel in der Klimapolitik angemahnt hat. Und Bürgermeister Gemeinhardt betont: "Wir wollen die Verantwortung übernehmen und auch für künftige Generationen mit klimaneutraler Stromversorgung die Zukunft gestalten."