Hausfassade mit Fachwerk und Laubengängen15.09.2021  -  Seit 2002 war das Nürnberger Gerberhaus in der Hinteren Ledergasse 43 unbewohnbar. Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert war einsturzgefährdet. Dann übernahmen die Altstadtfreunde Nürnberg das baufällige Objekt – und haben nun daraus ein Juwel gemacht.
Im Jahr 2002 musste das historische Gerberhaus in der Hinteren Ledergasse 43, dem ehemaligen Rotgerberviertel in Nürnberg, entwohnt werden. Das Gebäude von 1697 war einsturzgefährdet. Weder die Stadt Nürnberg - die noch andere Objekte vor dem Verfall retten muss - noch Privatinvestoren nahmen sich des Baudenkmals an. Dann kamen die Altstadtfreunde und sanierten das Haus für vier Millionen Euro. Es ist das zwanzigste eigene Gebäude der Altstadtfreunde und es sind die höchsten Sanierungskosten, die sich der Verein seit 1973 jemals aufgebürdet hat. Entstanden ist dafür ein Juwel, das ab Anfang Oktober bezugsfertig ist.

Blick in die Vergangenheit
Entstanden sind sieben Wohnungen und eine Gewerbeeinheit. Derzeit erledigen Handwerker die letzten Feinarbeiten. Beim Rundgang zeigt sich Altstadtfreunde-Vorsitzender Karl-Heinz Enderle sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Bereits die barocke Eingangshalle punktet mit großzügigem Flair. Erhalten wurden die Bohlenbalkendecke und ein Fleckchen mit barocker Rankenmalerei. In der ehemaligen Gerberhalle nebenan haben die Altstadtfreunde noch historische Gerberbottiche im Boden entdeckt. Sie standen dicht an dicht. Die Befunde wurden archäologisch dokumentiert, mussten aber der modernen Fußbodenheizung weichen.
Dafür ist die Zisterne erhalten geblieben. Der vier Meter tiefe Wasserspeicher liegt nun unter einem Glasboden und wird beleuchtet: Sicher ein Highlight für das Architekturbüro, das hier einziehen wird. Auch die mächtige Steinsäule, die einst wohl aus einem anderen Objekt stammte und hier verbaut wurde, ist ein Hingucker.

Leben in historischen Mauern
Karl-Heinz Enderle schätzt besonders die alte Gerberwohnung im ersten Stock. Hier sind auch noch Reste einer Wandmalerei aus dem 19. Jahrhundert über der Wohnungstür erhalten. Die Geschosse darüber waren ursprünglich Trockenböden für die Tierhäute, erklärt er. Im gesamten Haus gibt es innen Sichtfachwerk. Jede Wohnung ist individuell und anders gestaltet, die Bäder zeitgemäß modern in weiß-anthrazit gehalten. Zudem gibt es Außensitzbereiche mit Blick in den Innenhof. "Der schönste unserer Innenhöfe", findet Karl-Heinz Enderle.

"Wenn es die Altstadtfreunde sanieren, wird es gut."
Einziehen wird hier auch Achim Burek, 78 Jahre alt. Achim Burek wohnt seit über einem Jahrzehnt in einem mittelalterlichen Altstadtfreunde-Haus in der Bergstraße 23. Unbesehen hatte er sein Mietinteresse in dem neuen Objekt angemeldet, zu einem Zeitpunkt, da war das Gebäude noch eine Ruine.

"Weil ich weiß, dass die Altstadtfreunde, wenn sie was in die Hand nehmen und restaurieren, dass das eigentlich immer gut wird. Davon bin ich ausgegangen. Und wenn ich das heute sehe: Das ist einfach begeisternd." Achim Burek, Mieter

Ein Gerberhaus als Mammutaufgabe
Allerdings, auch das gibt der Vorsitzende Karl-Heinz Enderle zu, hat die Sanierung des Gerberhauses in der Hinteren Ledergasse 43 die Altstadtfreunde schon sehr herausgefordert. Kein Haus vorher sei in einem derart schlechten Zustand gewesen, erklärt Enderle. Manche Balken waren demnach 30 Zentimeter durchgebogen und morsch. Zudem hat keines der Häuser vorher derartige Kosten verursacht. Die Sanierung für vier Millionen Euro sei für die Altstadtfreunde ein finanzieller Kraftakt gewesen. Die Sanierung sei die teuerste in der Geschichte der Altstadtfreunde, ergänz Enderle.
Teurer war lediglich die Rekonstruktion des Pellerhofs, der jedoch der Stadt Nürnberg gehört. Zudem fiel es schwer, für das Objekt Hintere Ledergasse Sponsoren zu finden. Außen gibt es wenig Repräsentatives zu entdecken. Weder die Lage des Gebäudes noch die Fassade sind besonders spektakulär. Ohne Erbschaften und Vermächtnisse, mit denen die Altstadtfreunde immer wieder bedacht werden, wäre die Sanierung des Gerberhauses nicht gelungen.

"Das ist eben die Liebe zu ihrer Stadt, die unsere Mitglieder und Nicht-Mitglieder dazu bringt, uns über den Tod hinaus zu unterstützen. Denn, wenn sie uns unterstützen, bleibt ein Stück von Ihnen im Stadtbild erhalten." Karl-Heinz Enderle, Altstadtfreunde Nürnberg e.V.

Führungen am letzten Septemberwochenende
Viele Bürgerinnen und Bürger in Nürnberg haben bereits Interesse an dem sanierten Haus bekundet und wollen das Ergebnis der aufwändigen Arbeiten sehen. Die Altstadtfreunde bieten deshalb Führungen an. Am Samstag, den 24., und Sonntag, den 25.September, gibt es von 10.00 bis 16.00 Uhr Führungen im 15-Minuten-Takt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es gilt die 3-G-Regel und Maskenpflicht.