Weinfässer im Bergwerk in Hüttenheim im Landkreis Kitzingen.08.09.2021  -  Die Weinlese 2021 beginnt gerade. Doch die Winzer Max Martin, Thomas Fröhlich und Markus Hillabrand richten ihre Blicke noch einmal auf ihren 2018er-Wein. Einen Teil davon haben sie in einem Bergwerk gelagert. Nun kam der Wein ans Tageslicht.
Es dauert nur wenige Sekunden, da hat das Dunkel des Bergwerks Autos und Gabelstapler verschluckt. In Hüttenheim im Landkreis Kitzingen geht es ebenerdig in den Stollen. Eigentlich wird hier Gips abgebaut. Doch die drei Winzer Max Martin, Thomas Fröhlich und Markus Hillabrand haben dort Weinfässer gelagert. Sie sagen: Die konstanten Bedingungen im Bergwerk wirken sich positiv auf den Geschmack aus.

Wein aus dem fränkischen Keuper-Boden
"Stollenwein" heißt das Projekt, das Fröhlich, Hillabrand und Martin im Jahr 2017 gestartet haben. Sie wollten herausfinden: Was passiert, wenn ihr Wein im gleichen Boden lagert, auf dem auch ihre Reben wachsen? Als "Keuper-Connection" bezeichnen sich die Winzer selbst. Sie kommen aus unterschiedlichen Orten, betreiben dort Weingüter. Alle drei bauen ihre Weinreben jedoch auf sogenanntem Keuper-Boden an.

Drei Fässer Silvaner – 1.000 Tage unter Tage
Sechs Fässer mit 2018er-Wein lagerten in einem Hochregal in einer Art Lagerhalle, die in das Hüttenheimer Bergwerk gegraben ist. Drei davon haben die Keuper-Winzer bereits im Folgejahr abgefüllt. Die übrigen drei lagen nun seit exakt 1.001 Tage dort und wurden jetzt aus dem Stollen geholt – von jedem Winzer ein Fass. Ende 2017 hatten die Winzer erstmals drei Weinfässer in das Bergwerk gelegt und knapp 10 Monate dort gelassen.

Temperaturschwankungen im "normalen" Weinkeller
Im Vergleich zum Weinkeller sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Bergwerk konstanter, sagen die Keuper-Winzer. Im Stollen hat es ganzjährig etwa 14 Grad Celsius, bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Bei meinem Keller sind es gleich mal sieben, acht Grad, die es im Sommer hinaufgeht – und im Winter wieder herunter. Hier hast du das eben nicht", sagt Markus Hillabrand. Die Bedingungen unter Tage entsprächen einem überdimensionalen "Weinklimaschrank", sagt Max Martin: "Das hilft dem Wein, ganz schonend und langsam zu reifen."
Die Weinlese 2021 beginnt gerade. Doch die Winzer Max Martin, Thomas Fröhlich und Markus Hillabrand richten ihre Blicke noch einmal auf ihren 2018er-Wein. Einen Teil davon haben sie in einem Bergwerk gelagert. Nun kam der Wein ans Tageslicht.

Kompaktere Weine mit "mehr Körper"
Tatsächlich gibt es zum Beispiel bei Thomas Fröhlich deutliche Unterschiede. Die Farbe seines 2018er-Silvaners aus dem Keller ist klarer als die Farbe des Stollenweins. "Der von zuhause ist allein von der Säure her schon mal betonter", sagt Fröhlich. Der Wein aus dem Bergwerk sei im Vergleich "deutlich kompakter, mit mehr Körper", so Hillabrand.

Winzer wollen ihre Stollenweine cuvéetieren
Während es die bisherigen Stollenweine der Winzer einzeln zu kaufen gab, wird es 2021 einen gemeinsamen Wein geben. Ihre 2018er-Silvaner wollen sie cuvéetieren, also zusammenführen. Daraus soll dann Ende des Jahres ein gemeinsamer Stollenwein entstehen.
Das Bergwerk in Hüttenheim werden die drei Winzer noch häufiger aufsuchen. Drei Fässer des Jahrgangs 2019 liegen dort noch versteckt im Dunkeln. Der Jahrgang 2020 fehlt allerdings – wegen der Frostschäden und der anschließend schlechten Ernte.